Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Deutschen Bahn hat sich doch noch alles zum Guten gefügt und wir, die FM 23 (Feinwerkmechaniker/-innen)  sind dann doch noch mit nur einer Stunde Verspätung in Leeuwarden angekommen. Als Unterkunft haben wir ein altes Plattbodenboot in einem der großen Kanäle in Leeuwarden. Als Fahrzeuge haben wir Leihfahrräder erhalten.

Am zweiten Tag erkundeten wir, nach einer Besprechung des zweiwöchigen Aufenthaltes  und Vorstellung des niederländischen Schulsystems, Leeuwarden.

Am dritten Tag haben wir morgens eine kleine Schiffswerft besichtigt. Die Werft stellt Boote aus Aluminium bis 15 m Länge her. Hier waren die Schüler/-innen in ihrem Element. Metallverarbeitung und dazu noch Alu lässt das Herz der Schüler/-innen höher schlagen. Teilweise durften auch wir versuchen, Aluminium zu schweißen.

In der Firma Trimm durften wir die Planung von Schiffen verfolgen und uns wurden viele Details erklärt. Es fielen Begriffe wie Rupfgeschwindigt, Stability Management, ……

Uns gefielen viele Details der Konstruktionen und auch die Zeichnungen, die wir einsehen durften, jedoch waren wir auch etwas durch den massiven Überfluss dieser Yachten enttäuscht.

Donnerstags führte uns unser Weg zu einem Hersteller, der sich auf die Elektrifizierung von Booten spezialisiert hat. Zuerst wurden die Vor- und Nachteile verschiedener Akkutypen besprochen und diskutiert. Für Boote eignen sich immer noch hervorragend die schweren Bleiakkumulatoren, die auch in Autos Verwendung finden. Der Trend geht aber eindeutig Richtung Lithium Ionen, da diese Zellen sich besonders gut kontrollieren und überwachen lassen. Zudem wurden die Preise in den letzten Jahren immer günstiger.

Dann ging es weiter zu einem Pumpkraftwerk in der Nähe, Woudagemaal. Es handelt sich um die größte Dampfpumpstation der Welt. Heute ist die Anlage ausser Betrieb, wird jedoch einmal im Jahr oder zu Extremwetterereignissen in Betrieb genommen. Wir erfuhren, wie mit den 4 Dampfheizkesseln Wasserdampf produziert wird, der im weiteren die vier von jeweils einer grossen Dampfmaschine angetriebenen Turbinen mit Antriebsenergie versorgt. Beeindruckend, was sich die Ingenieure vor 100 Jahren ausgedacht haben um ihr Land vor großen Jahrhunderthochwassern  wie es 1825 ganz Friesland getroffen hat.

Nach dem Pumpkraftwerk sind wir zu einer Windmühle gefahren. Diese Windmühle wurde zum Sägen eingesetzt. Mit ihr wurden aus Baumstämmen Bretter hergestellt werden. Neben der Mühle wurden früher dann direkt die Boote gebaut. Der Holztransport fand damals praktisch ausschließlich über den Wasserweg statt.

Am fünften Tag fuhren wir nach Amsterdam. Nach zweistündiger Zugfahrt hatten wir unser Ziel erreicht. Eine absolut faszinierende Stadt und kultureller Mittelpunkt der Niederlande.  Dank der vielen Grachten und Kanäle ist sie nicht nur wunderschön sondern auch technisch aufwändig geschützt durch Pumpwerke, Polder und Schleusen.

Am achten Tag besuchten wir eine Berufsschule. Die Berufsschule, die wir besucht haben, war eine Berufsschule für Schiffsbauer. Die Schule muss man sich etwas anders vorstellen als in Deutschland. Die Schüler gehen zwei bis drei Tage ins Praktikum und die anderen zwei Tage in die Schule. Allerdings bedeutet Schule, dass sie vormittags praktischen Unterricht haben und nachmittags Unterricht, wozu auch die allgemeinbildenden Fächer zählen. Der Unterricht geht von 8:30 Uhr bis 16:00 Uhr.

Die Schule hat einen ehemaligen kleinen Schiffsbaubetrieb übernommen. Im Erdgeschoss gab es drei Hallen in denen gearbeitet wurde, im Obergeschoss waren Unterrichts- und Gemeinschaftsräume. Wir interessierten uns mehr für die praktischen Räume. In den Werkstätten wurden in Gemeinschaftsarbeit ganze Fahrzeuge erstellt. Das heißt die Schule bekommt Pläne von z.B. Fachhochschulen, die selbst das Boot konstruiert haben und die Schüler der verschiedenen Ausbildungsjahre setzen das Projekt gemeinsam in die Realität um. So entstand unter anderem ein Boot für die Pfadfinder, natürlich gemeinnützig ohne Gewinn, aber auch eine Schwimmplattform für die eigene Schule für den Wassersportunterricht.

Danach sind wir zu einem Wassersportbetrieb in der Nähe gegangen, zu dem auch ein Schüler der Schule gehört. Dort wurden uns die Boote gezeigt und der Schüler hat uns ausführlich die Funktion eines Außenbordmotors erklärt. Fahrtrichtungswechel, Drosselklappe, Zylinder Kolben, usw… .

Am Ende des Tages durften wir eine Tour mit einem der Boote über das Sneeker Meer machen.

Am neunten Tag besuchten wir eine Kunstschmiede mit Workshop. Vor Ort wurden wir in der offenen Schmiede begrüßt und mit der nötigen sicherheitstechnischen Ausrüstung versorgt: Schürze und Schutzbrille. Danach wurde uns eine Kurzeinweisung in die Schmiedewerkzeuge gegeben und dann ging es auch schon zur Esse, die wir selbst entzünden durften. Und dann ging es auch schon los. Der Schmied gab uns ein Stück Rundstahl 14×200 zum Bearbeiten und dann legten wir los. Der nächste Schritt wurde erklärt und dann ging jeder an die Esse und zu seinem Amboss. So entstand aus dem einfachem Rundmaterial ein Messer, ein Flaschenöffner oder ein Wandhaken, je nachdem, was man sich ausgesucht hatte.

Die Schüler waren eifrig und sehr interessiert am Arbeiten und lernten ganz nebenbei viel über Glühfarben, Temperaturen, Härten, Spannungsarmglühen und natürlich über das Umformen durch Schmieden in die gewünschte Form.

Am zehnten Tag lernten wir die SMI Groep Leeuwarden kennen. Sie ist ein mittelständiger Metallverarbeitender Betrieb. Produziert werden Autos, Yachten, Bodyscanner, usw….  . Wir haben uns als Gruppe auch diesmal sehr wohl gefühlt, da wir sehr aufmerksam empfangen wurden und die Maschinenausstattung in vielen Teilen mit uns bekannten Maschinen ausgestattet war. Gesehen haben wir zwei Portalfräsen, CNC-Fräsen, CNC-Drehmaschinen, Laserstahl-Schmelzschneidemaschine, Stanzen, schweißen, und vieles mehr. Besonders interessant waren auch die hergestellten Produkte, die in Teilen auf verschiedenen Ständen getestet wurden.

FM 23, P.J.