Besuch in der JVA Siegburg


Am 29. Januar besuchte die Schulleiterin Ursula Heine begleitet von den Kolleginnen Xenia Bieselt, Carina Doßler und Norbert Schierl die JVA Siegburg. Was viele vielleicht nicht wissen: seit einigen Jahren ist das GKB an der Ausbildung der Kraftfahrzeug-Mechatroniker in der JVA Siegburg beteiligt. Zwei unserer Kollegen (Rolf Atzrodt und Herbert Schnettler) unterrichten die Fächer Wirtschaft, Deutsch und Technologie. Die praktische Ausbildung an den Fahrzeugen selbst wird von KFZ-Meistern vor Ort vorgenommen. Die praktischen Gesellenprüfungen unterstützt aus unserem Haus Norbert Schierl

Derzeit werden 12 Langzeitinsassen zum Kraftfahrzeugmechatroniker in der JVA Siegburg ausgebildet. Ihr Unterricht wird nicht, wie sonst üblich, nach Ausbildungsjahren getrennt vorgenommen, sondern sie lernen alle zusammen und müssen den Stoff ggf. auf- bzw. nachbereiten.

Um in der Haftanstalt die Ausbildung antreten zu können, muss man mindestens eine 5-jährige Haftstrafe absitzen, denn die Anwartschaft auf die Ausbildung beträgt 18 Monate und die Ausbildung selbst noch mal 3,5 Jahre. Ein Gremium aus Sozialarbeitern, Psychologen und JVA-Angestellten in Hagen prüft die Eignung der Gefangenen für eine Ausbildung und wenn die sprachlichen und mathematischen Qualifikationen nicht dagegensprechen, kann der Häftling seine Ausbildung antreten. Schließt er sie ab, steht auf seinem Gesellenbrief ein neutrales Statement, damit nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, dass die Ausbildung in einer Haftanstalt stattgefunden hat.

Den straffällig gewordenen Auszubildenden bietet die Ausbildung eine Chance auf ein geregeltes, unabhängiges Leben nach ihrer Haftzeit. Dessen sind sie sich bewusst und damit entsprechend motiviert. Mit den für längere Zeit Inhaftierten haben die Mitarbeiter, laut Herrn Mylius, ohnehin die wenigsten Probleme, denn die Auszubildenden wissen, welche Chance sie vertun, wenn es ihnen nicht gelingt, sich an die Regeln zu halten.

Sehr beeindruckend war es auch zu sehen, wie die Häftlinge in der JVA leben:

Gerade der erste Trakt, der aus dem Jahr 1896 stammt, erzeugt ein Gefühl der Beklemmung. Lange Gänge und dicke Türen schirmen die Häftlinge von der Außenwelt ab. Auf ca. 8 qm (2 x 4 m) halten sie sich einen Großteil ihrer Zeit auf. Bett, Toilette, Waschbecken.

Einen Fernseher können sie für ca. 8 € im Monat mieten. Computer, Tablets oder gar Handys dürfen die Insassen nicht besitzen. Auch kein Bargeld. Jeder Häftling hat Anspruch auf eine Stunde Hofgang am Tag und kann auf Antrag, in der Freizeitgruppe, auch Sport mit anderen Häftlingen betreiben. Zwei Mal im Monat darf er für eine Stunde besucht werden.

Der Sportplatz und die ihn umgebenden Gefängnisgebäude könnten gut als Filmkulisse dienen. Die über diese Freifläche gespannten Drahtseile (damit keine Hubschrauber landen können) und die vergitterten Fenster verstärkten diesen Eindruck noch.

Generell sind Sport und Beschäftigung große Themen in der JVA. So erfolgt eine Beschäftigung der Insassen auf ganz unterschiedliche Art und Weise, z.B. durch Arbeiten in der Schneiderei und durch Sozial- oder Arbeitstherapie in Form von Holzverarbeitung. Die individuellen und wirklich liebevoll erstellten Produkte, die dort produziert werden, kann man übrigens direkt vor Ort oder unter www.knastladen.deerwerben.

Mittlerweile gibt es in der JVA Siegburg nur noch erwachsene Häftlinge. Ca. 250 Bedienstete arbeiten dort, bei ca. 570 Inhaftierten. Obwohl ausschließlich erwachsene Männer in Siegburg inhaftiert sind, beschäftigt die Justizvollzugsanstalt zahlreiche (weibliche) Vollzugsbeamtinnen, die von den Insassen, beispielsweise in einem Streitfall, anders wahrgenommen werden und oft deeskalierend wirken.

Wir bedanken uns bei Herrn Mylius für die Führung durch die JVA und die interessanten und umfassenden Informationen.

(Xenia Bieselt, Carina Doßler, Norbert Schierl)