Unterstützungssysteme
Eine Orientierung an den Schlüsselbegriffen bedingt zwangsläufig die Orientierung an den Schülerinnen und Schülern als direkten Kunden und den Eltern, Betrieben, Bildungspartnern, Abnehmerschulen, Fördereinrichtungen, Kooperationspartnern, dem Schulträger, den gesellschaftlich relevanten Gruppen etc. als indirekten Kunden des Berufskollegs.
Kundeninteressen
Als Dienstleister in der Region ist das Berufskolleg bestrebt, die Wünsche, Erwartungen und Forderungen seiner Kunden zu verstehen und angemessen zu erfüllen. Dabei ist uns bewusst, dass die Forderungen und Erwartungen unserer Kunden teilweise sehr komplex und schwer zu erfassen sind, in bestimmten Bereichen sich sogar widersprechen und schon von daher nicht für alle gleichermaßen befriedigend realisiert werden können. Um unseren Bildungsauftrag erfüllen zu können, halten wir es jedoch für unabdingbar, diese Erfassung möglichst präzise durchzuführen. Dabei gehen wir unterschiedliche Wege. In den Bildungsgängen werden - kontextbezogen - Analysen der beruflichen, gesellschaftlichen und personalen Handlungsfelder durchgeführt, für die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen erwerben sollen. Zusätzlich werden Kooperationen auf den unterschiedlichsten Ebenen genutzt, die ebenfalls diesem Ziel dienen. Reger Austausch findet dementsprechend in den Ausbilder-Lehrer-Arbeitskreisen, in Praxisbesuchen, in Kooperationsgesprächen, in Prüfungsausschüssen, in der regionalen Steuergruppe des "Modellvorhabens Selbstständige Schule" und auf vielerlei weitere Art im Alltag regelmäßig statt (vgl. Kooperationen). Auch Ergebnisse von Schuluntersuchungen, z.B. PISA, werden systematisch beobachtet und daraufhin überprüft, ob Reaktionen unserer Schule notwendig und möglich sind. So reagierten wir auf die in PISA-I offen gelegten Probleme der Testgruppe mit "Sinn entnehmendem Lesen" durch die Einführung von Sprach- und Kommunikationskursen im Differenzierungssystem der Berufsschule und helfen so mit, z.B. Sprachprobleme von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund zu mildern.
Durch systematische und regelmäßige Evaluationsmaßnahmen (vgl. Kapitel D) werden ebenfalls Daten zur Einleitung von Veränderungsprozessen gewonnen. Die Schülerbefragung mit bereichs-übergreifendem und bereichsbezogenem Teil vom Schuljahr 04/05 ergab z.B. neben anderem Verbesserungspotenzial im Bereich des Item 10 "Methodentraining". In einem schulweit abgestimmten Verfahren ist daraufhin ein Veränderungs- und Verbesserungsprozess in Gang gesetzt worden. Z.B. werden Lehrerteams durch Fortbildungen zur Thematik Eigenverantwortliches Lernen, Methoden und Lerntechniken fit gemacht für die Verbesserung ihres Unterrichtes. Alle Klassen der Berufsschulunterstufen erhalten zweitägige "Methodentrainings".
Kompetenzen
Dabei gehen wir davon aus, dass fachlichen und überfachlichen Kompetenzen gleichermaßen Bedeutung zukommt, mithin alle Kompetenzbereiche zu erfassen und ausgewogen zu entwickeln sind. Was ausgewogen bedeutet, bestimmt sich aus den Kompetenzprofilen im Bildungsgang.
Es herrscht Konsens im Kollegium darüber, dass alle Kunden von uns einen stärkeren Einbezug von Medien- und informationstechnischer Kompetenz in unsere Bildungsarbeit erwarten. Entsprechend der Ausrichtung in den Leitgedanken wird daher in allen Bildungsgängen im Berufskolleg Troisdorf an einer ständigen Weiterentwicklung didaktischer Konzeptionen gearbeitet, die aktuelle und zukünftige berufliche Praxis und Lebenswirklichkeit aufgreifen und zum umfassenden Kompetenzaufbau bei den Schülerinnen und Schülern beitragen können. Die berufliche Praxis wird in vielerlei Weise eingebunden und reflektiert; z.B. auch durch Laborübungen, die wir in allen Bildungsgängen des Dualen Systems der Berufsausbildung anbieten.
Durch ein Teilprojekt "Neue Kooperations- und Kommunikationsformen" unterstützt das Berufskolleg den Ansatz der Kundenorientierung nach außen und nach innen, indem Bildungsergebnisse und Bildungsprozesse sichtbar und überprüfbar gemacht und für alle beteiligten Gruppen besser kommuniziert werden. Hierfür werden durch Nutzung von Internet und Intranet, Plakatierung, Flyer, Präsentationen, Pressemitteilungen, Veranstaltungen etc. vielfältige Wege der Kommunikation begangen. Als Reaktion auf diese Maßnahmen erhalten wir vielerlei Rückmeldungen und nutzen diese, um uns zur Verbesserung derKundenzufriedenheit weiterzuentwickeln. Zur Zeit gibt es verstärkte Anstrengungen in den Bildungsgängen und schulweit, die Bildungsergebnisse auch von den Schülerinnen und Schülern als direkten Kunden und gesellschaftlich zuständigen Gruppierungen systematisch evaluieren zu lassen. Dadurch lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine noch bessere Übereinstimmung von Kundenerfordernissen und Bildungsleistungen der Schule herbeiführen Eine Schülerbefragung, in der die Leitlinien für guten Unterricht zur Itemformulierung verwendet wurden, ist im Schuljahr 04/05 bereits erfolgreich durchgeführt worden.
Prozesse
Die Qualität der Bildungs- und Erziehungsarbeit wird in unserem Berufskolleg durch ein Netzwerk von Prozessen geschaffen, dem das Systemdenken zu Grunde liegt. Alle Prozesse tragen ihren Teil zur Qualität der Bildungsergebnisse bei, Schlüsselprozesse wie Unterrichtsgestaltung, -durchführung und -reflexion ebenso wie Nebenprozesse. Alle Prozesse sind für die Erfordernisse der Kunden so organisiert, dass zufrieden stellende Ergebnisse erzielt werden können. Wichtigen Schlüsselprozessen sind Verfahrensanweisungen oder auch Standards zugeordnet. Damit diese Prozesse zu guten Ergebnissen führen, haben wir ein geeignetes Organisationsmodell mit flacher Hierarchie geschaffen. Wir bauen auf Teamlernen und damit dezentrale und weitestgehend selbständige Bildungsgänge mit funktionierenden Bildungsgangteams. Diese Teams kooperieren mit außerschulischen Bildungspartnern, stimmen sich in Bildungsgangkonferenzen bezüglich Verknüpfungen berufsbezogener und berufs-übergreifender Fächer, integrativer Bestandteile, Organisation von Labor- und Praxisanteilen, Differenzierungen, Stützbereichen, methodischer Zugänge etc. ab und entwickeln daraus didaktische Jahresplanungen. Zur Koordinierung übergreifender Aufgaben und innerschulischer Abstimmung sind beinahe 40 Bildungsgänge in Koordinierungsbereiche eingebunden (Vgl. Organisationsstruktur bzw. Organigramm). Die Steuerung der zentralen Prozesse erfolgt durch das Schulleitungsteam. Für das "Modellvorhaben Selbstständige Schule" ist dieses Team zugleich als "Steuergruppe" tätig. So stellen wir sicher, dass die weit gefächerte Komplexität unserer Schule steuerbar bleibt.
Unsere Input-Standards
Die Teilnahme unserer Schule an dem Modellversuch "Benchmarking an Berufskollegs" hat vielfältige Erfahrungen mit Themen wie Analyse einer Organisation nach Stärken und Verbesserungsbereichen (Potenzialanalyse) oder die teilweise Anwendung eines auf Excellence ausgerichteten Qualitätsmodells (EFQM-Modell für Education Excellence) ermöglicht. Wie meist erschließen sich mit neuen Horizonten auch neue Fragen.
Um zwei Fragen kreisten immer wieder Auseinandersetzungen. - Wie kann man die Kriterien und Ansatzpunkte des EFQM-Modells so herunterbrechen, dass sie den Charakter eindeutiger Items annehmen und somit relativ klar bewertbar sind? Und dem entgegenstehend: Wie stark muss man genau diese sozusagen immer diskretere und aufwändigere Schärfung zu eindeutigen Items im Zuge einer Folgenabschätzung bewusst einschränken?
Eines der Ergebnisse unseres Lernens aus den sehr strittigen Diskussionen ist in den Input-Standards zu sehen, die wir nach einem Abstimmungsprozess im Kollegium mit Beginn des Schuljahres 03/04 eingeführt haben. Die ursprünglich vorgesehene Zahl von 29 Standards zu wichtigen Ansatzpunkten aus den Befähiger-Kriterien des EFQM-Modells wurde auf 14 beschränkt. Zum Schuljahr 04/05 sind weitere 4 eingeführt worden. Diese Beschränkung ergab sich aus Überlegungen zur Folgenabschätzung. Folgenabschätzung bedeutet we-sent-lich, den erwarteten Projektnutzen (z.B. für die Verbesserung der Ergebnisse einer Organisation) genauso zu konkretisieren wie die Projektkosten (z.B. durch die Bindung von Zeit-, Sach-, Personal- und Finanzressourcen). Die triviale Tatsache, dass die Definition von Standards nur Sinn macht, wenn deren Überprüfung incl. der eventuell notwendigen Ver-besserungsmaßnahmen regelmäßig möglich und von allen Beteiligten gewollt ist, wurde so zum Leitgedanken.
Trotz dieser Beschränkung ist die vorliegende Anzahl Standards aus der Sicht von Evaluation eine kleine Herausforderung, da in den Formulierungen der Standards von harten numerischen Aussagen (z.B. "20% aller Lehrkräfte arbeiten im Schuljahr 03/04 in übergreifenden Schulentwicklungsprojekten des Berufskollegs mit.") bis zu relativ weichen Aussagen (z.B. "Allen BG stehen die erforderlichen Fachräume und die erforderlichen Lehr- und Lernmittel zur Verfügung. (...)" eine gewisse Spannweite zur Interpretation zur Verfügung steht. Eine Einschränkung des Interpretationsspielraumes haben wir durch die ergänzende Konkretisierung über Anmerkungen zum jeweiligen Standard vorgenommen. Wir stellen fest, dass dies an einer Bündelschule mit vielen Schulbereichen und Bildungsgängen mit sehr unterschiedlichen formalen Vorgaben unbedingt notwendig ist.
Ein positiver Nebeneffekt zeigte sich auch hier. Dass das Bild, die gemeinsame Vorstellung vom Wesen der Organisation bei den Beteiligten sich gerade wegen der intensiven und strittigen Arbeit geklärt und geschärft hat.
Koordinierungsbereiche
Die Leiterinnen und Leiter der Koordinierungsbereiche sowie ein Koordinator für Schulentwicklung bilden mit dem Schulleiter und seiner ständigen Vertreterin die erweiterte Schulleitung; sie sind das Schulleitungsteam. Durch diese Konstruktion wird auch in der Schulleitung der Teamgedanke nach außen getragen. Das Schulleitungsteam unterstützt die Bildungsgänge in ihrem Bemühen, Qualitätsprozesse zu organisieren, zu sichern und weiterzuentwickeln. Darüber hinaus versteht sich das Schulleitungsteam als Dienstleister für die Beschaffung von Ressourcen, die zur Realisation qualitätsorientierter Prozesse erforderlich sind. Vor dem Hintergrund zunehmender Verknüpfung von Theorie und Praxis nimmt diese Aufgabe einen immer größer werdenden Raum ein. Handlungsorientierte Lernprozesse einer Bildungsgangdidaktik bzw. Lernfelddidaktik - Ausdruck unserer pädagogischen Zielsetzungen - erfordern eben adäquate räumliche, sächliche und personelle Ressourcen. Das reine Klassenzimmer ist in vielen Fällen von Multifunktionsräumen und Laboren verdrängt worden, um das Handeln in zeitgemäßen Lernansätzen zu ermöglichen und die Berufswirklichkeit abzubilden.
Unterstützungssysteme
Ausdruck dieser Weiterentwicklungen sind auch die im Berufskolleg Troisdorf eingerichteten Unterstützungssysteme. Als ein zentrales Unterstützungssystem sehen wir den Koordinierungsbereich "Informationstechnik" an. Dieser Bereich versteht sich als Dienstleister für alle Bildungsgänge und die Administration. Er unterstützt die Bildungsgangteams in ihrem Bemühen, spezifische Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler im Medien- und Informationsbereich zu entwickeln. Zentrale Aufgabe des Bereiches ist es ebenfalls, die Funktionsfähigkeit der EDV-Hard- und Software sicherzustellen und weiterzuentwickeln. Mit der Entwicklung der Bibliothek zu einer Mediothek mit freien Internetzugängen für Schülerinnen und Schüler und darauf ausgerichtete Schulungen für Lehrer und Schüler sowie einer Anbindung aller Computer-, Klassen- umd Teamräume an das "Internet" konnten weitere Schritte zur umfassenden Kompetenzbildung realisiert werden. Medien- und informationstechnische Bildung ist mittlerweile in allen Bildungsgängen Bestandteil der Unterrichtskonzeption.
Technikum
Das Technikum ist als "didaktisches Zentrum" der Technik ein Unterstützungsbereich , der auf der Basis der Schlüsselbegriffe Beruf, Kompetenz und Qualität aufbauend die Realisierung von Handlungskompetenz und Berufsnähe für alle technischen Bildungsgänge des Hauses und für unsere Fachschule für Technik fördert. So wird eine noch innigere Verknüpfung von Theorie und Praxis möglich. Handelnd gewonnene Erkenntnisse besitzen eben einen weit höheren Behaltenswert als ausschließlich in der Theorie Gehörtes oder Gesehenes. Das Technikum ist für uns ein weiterer Stützpfeiler der Bildungsarbeit.
Projektgruppen
und Stabstelle
Unterstützung und Kontinuität für den Schulentwicklungssprozess bieten überdies die Projekt- und Teilprojektgruppen entsprechend der Inhalte der Kooperationsvereinbarung und die Stabstelle sowie viele kleine Unterstützungssysteme. Die Projektgruppen konzentrieren sich während der Lauf zeit des Modellvorhabens vorrangig auf die Zielsetzungen, die in der Kooperationsvereinbarung festgelegt sind. Aus dem "Werkzeugkasten" des Projektmanagements werden dabei Arbeitspaketbeschreibungen, Projektstruktur- und Projektablaufplan als Standardelemente verwendet. Der Fokus der Stabstelle ist ebenfalls auf die Schule als Gesamtsystem gerichtet, thematisiert aber stärker Aspekte von Projektmanagement und Projektbewertung, Qualitätssicherung, und -entwicklung sowie Evaluation.
Vernetzungen zwischen den Projektgruppen und anderen Unterstützungssystemen erwachsen zwangsläufig aus den jeweiligen Aufgabenstellungen und sind im Sinne der gemeinsamen Schulentwicklung gewollt. Alle Systeme wirken operativ und strategisch zusammen im Sinne ständig weiterentwickelter, gemeinsamer Ziele.
Das Ziel der bestmöglichen Förderung aller Schülerinnen und Schüler wollen wir mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitern erreichen, die an einem ständigen Verbesserungsprozess mitwirken. Engagierte Mitarbeit wird durch Faktoren wie kooperativer Führungsstil, Mitarbeitergespräche, Co-Management, motivierendes Arbeitsumfeld, Vertrauen, angemessener Informationsfluss etc. positiv beeinflusst.
Diese Faktoren im Schulalltag zu leben ist daher ständiger Anspruch und Aufgabenschwerpunkt aller Führungskräfte.

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